Skip to main content

Warum wollte Goethe unbedingt Musik zu seiner Lyrik – die ihm dann aber oft gar nicht gefiel?

Die Musiker (und Musikerinnen) stürzten sich auf Goethes Gedichte – die aber zum Vertonen nicht immer geeignet schienen. Woran liegt das? Ein spannender Widerspruch – von mir analysiert und neu gedeutet.

Goethe mochte Schubert nicht? Stimmt das überhaupt?

Zweimal schickte der junge Fan einen dicken Packen mit Liedern nach Weimar - die sandte der Dichter ohne Kommentar zurück: unglaublich ignorant! – oder doch nicht? Goethe hat hier ein wasserdichtes Alibi – und es gibt Anzeichen dafür, dass ihm Schuberts Musik gefiel.

War Goethe in seinen Meinungen von Zelter abhängig?

Es ist wahr, der Dichter und der Musiker-Freund hatten manchmal ihre ganz eigenen Ideen, z.B. zum Kunstlied. Nicht nur darum ging es in den über 800 Briefen, die sie sich während 30 Jahren schrieben. Die zeigen ein anderes Bild: Abhängig war hier jedenfalls nicht Goethe.

Warum scheiterte Goethes Traum von der Oper?

Eine Oper – mit seinem Text! Dafür investierte Goethe viel Energie und Zeit, und das umsonst. „Mozart hätte den Faust komponieren müssen“ – meinte er als alter Mann. Doch der hätte sich wohl bedankt für einen solch anstrengenden Librettisten.

Warum schrieb Goethe eine Tonlehre?

Nach der Farbenlehre erstellte Goethe einen großen Plan zu einer Tonlehre. Zu Dur und Moll hatte er seine ganz eigenen Ideen, die Fachwelt schüttelte nur den Kopf. Doch wer hatte recht? Goethe – und Forschungen aus unserer Zeit bestätigen genau seine Vorstellungen, wie musikalische Klänge entstehen. 

Dietlinde Küpper

Nach Abschluss ihres Magisterstudiums in Germanistik und Musikwissenschaft arbeitete Küpper fünf Jahre in Italien als Lehrerin und Übersetzerin. Für den Bayerischen Rundfunk und die Deutsche Welle verfasste die Autorin u.a. Features über Mozart, Händel und zeitgenössische Musik sowie mehrere Essays über Richard Wagner. Sie veröffentlichte eine Studie über die amerikanische Sinfonikerin Gloria Coates.

Musik von Mozart und Bach war für mich schon mit 15 Jahren das Höchste überhaupt (unter uns Jugendlichen damals ein absolutes „No go“). Alles andere - Schule oder so was - interessierte mich nur am Rand. An der Uni las ich viel Goethe – mich faszinierte die stets sprudelnde, immer neu klingende Frische. Faust II: ein künstlicher Mensch! Diese Idee – der heute die halbe Technikwelt nachrennt – gestaltete er schon vor 200 Jahren.

Was ich an der Uni zum Thema „Goethe und Musik“ las, überzeugte mich nicht. So schrieb ich selbst darüber – und recherchierte gründlich. Goethe schien für Musik nicht sonderlich begabt – und doch erfasste er oft messerscharf das Wesentliche, besser als viele Fachleute: faszinierend! Aber auch er stand sich manchmal selbst im Weg. Mittlerweile bin überzeugt, dass unsere Genies (in der Vergangenheit leider meist Männer – die Frauen blieben ohne Chance) Menschen sind, dass ihre Gabe ein Geschenk ist – an sie, und an uns.

Leserstimmen

Mir haben bei der Lektüre besonders zwei Dinge sehr gefallen: zum einen eine stets verständliche Sprache... zum anderen ist das Buch auch weder rückhaltloser Lobpreis noch Rettungsversuch dort, wo sich Goethe ... entweder irrte oder aber wo die Grenzen seines Verständnisses für diese Form der Kunst(ausübung) lagen.

(Dr. Johannes John, Bayerische Akademie der Wissenschaften)

Das Buch vermittelt einen guten Einblick in Goethes Charakter und in die Art, wie er Musik beurteilt. Die Autorin hat eine ausgezeichnete Kenntnis von Musik und schreibt sehr lebendig. Auch wenn man nicht viel weiß über Goethe oder Musik, kann man sehr viel Erkenntnis gewinnen.

(Edith L.)